Pädagogische Praxis Bad Rappenau
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Was heißt ADHS nochmal?
Es bedeutet Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung.
Und nicht jeder, der eine Aufmerksamkeitsstörung hat, ist auch hyperaktiv, richtig?
Richtig. Ohne motorische Unruhe wird auch von ADS gesprochen oder vom so genannten Träumerchen. Doch wenn man alle Formen meint, sagt man inzwischen eher ADHS.
ADHS hat aber nichts mit der Intelligenz zu tun, korrekt?
Korrekt. Auch jemand mit Hochbegabung kann die Störung haben.
Wenn ADHS eine Störung ist, dann ist das doch heilbar, oder?
Sagen wir besser, es verändert sich.
Es ist ja sowieso nicht jeden Tag gleich. Und es hat ganz unterschiedliche Gesichter, oder?
Stimmt. Es betrifft auch mehr als nur die Aufmerksamkeit oder Hyperaktivität.
Deshalb wird es manchmal nicht erkannt?
Genau. Außerdem kann es maskiert sein.
Das heißt, unter bestimmten Bedingungen sieht man es gar nicht?
So ist es. Es kann sogar ganze Jahre geben, da ist es fast, als wäre es gar nicht da.
Aber es bleibt trotzdem immer da?
Irgendwie ja, bei einem großen Teil derer, die es haben.
Oh je!!!
Kein Grund, den Mut zu verlieren. Man kann was tun, damit das Leben leichter wird, egal in welchem Alter.
Was denn?
Als erstes ist es wichtig, dass man versteht, warum man so ist, wie man ist. Schon allein dadurch, dass man weiß, was in neuropsychologischer Hinsicht passiert, verändert sich etwas.
Dann denkt man wohl nicht mehr so schnell, dass man dumm oder unfähig ist oder selbst an allem schuld.
Ja. Und es wäre zudem nicht schlecht, wenn auch die Leute, mit denen man zusammenlebt, verstehen, wie man ist und weshalb.
Dann gibt es vielleicht nicht mehr so viele Vorwürfe oder Kritik und schlechte Laune, und man wird nicht noch kopfloser, oder?
Genau.
Kann man noch mehr tun?
Klar. Man kann herausfinden, was man gut kann, was man richtig gerne macht und was einem gut tut.
Das ist auch wichtig? Ich dachte, ich soll mich immer nur zusammenreißen und Dinge tun, die andere von mir wollen.
Nein, das ist sogar sehr wichtig. Nicht nur während der Schulzeit, sondern auch für später.
Fürs ganze Leben.
Sozusagen. Wenn man nämlich etwas tut, was richtig zu einem passt, dann funktioniert so ein ADHS-Gehirn eigentlich ganz schön gut, oder etwa nicht?
Ja, manchmal bin ich richtig gut.
Eben. Und bestimmt wird das noch viel öfter so sein. Je besser man etwas kann, umso mehr andere Dinge kann man ebenfalls besser. Das ist ansteckend.
Weiß nicht.
Doch doch. Und überhaupt – ein ADHS-Gehirn kann sogar eine Menge Sachen ganz besonders gut.
Tatsächlich?
Ja, das ist auch etwas, das man wissen sollte.
Es gibt ja auch viele berühmte Menschen mit ADHS, nicht wahr?
Stimmt. Sogar Albert Einstein soll dazugehören, und der gilt als Genie.
Okay. Aber man hat schon auch eine Menge Probleme.
Klar, und auch mit Medikament muss man vieles erst mal lernen. Und mit manchen Dingen tut man sich schon ziemlich schwer. Doch für solche Dinge kann man zusammen Lösungen finden.
Was für Lösungen?
Naja, manche Sachen muss man halt einfach tun im Leben, da muss man durch. Aber man kann Strategien und Hilfsmittel finden, damit es leichter geht. Oder damit man sich nicht so schlecht dabei fühlt.
Rezepte sozusagen.
Nicht wirklich. Wir arbeiten ressourcenorientiert und nach Grundsätzen der (kognitiven) Verhaltens- und Neuropsychotherapie, aber feste Rezepte gibt es nicht.
Weil Menschen verschieden sind?
Genau. Für jeden Menschen liegen die Dinge anders. Deshalb muss man gemeinsam herausfinden, was helfen kann, und dann ausprobieren, ob es sich im Alltag wirklich umsetzen lässt.
Das heißt, es muss richtig zu einem passen. Es hat ja nicht nur jeder Mensch, sondern auch jede ADHS ihre Besonderheiten?
Ja. Und auch das Umfeld, die persönliche Situation, die Bezugspersonen. Alles hat bestimmte Eigenarten, Möglichkeiten, Fähigkeiten und so weiter.
Und ein bestimmtes Maß an Energie und Zeit. Das ist auch wichtig, oder?
Unbedingt. Und wichtig ist auch die Art, wie man miteinander spricht.
Damit man nicht so viel streitet und nicht immer ewig diskutiert?
Zum Beispiel. Das können wir zusammen lernen.
Das klingt nun doch alles gar nicht so schwer. Wann fangen wir an?